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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Fertige Geschichten
Freyr Offline

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29.12.2007 12:01
Der Letzte Traum antworten
Der Letzte Traum

Der letzte Traum ist ein Relikt aus längst vergangen Zeiten.
Aus Zeiten die erfüllt waren, von Abenteuern, von Magie und dem Stoff aus dem Legenden sind.

Der letzte Traum ist eine dieser Legenden.

Sie erzählt von einem jungen Abenteurer, der auszog der Welt das fürchten zu lehren.

Der Name dieses jungen Abenteurers ist in den Gezeiten der Welt verloren gegangen, doch die Namen, die man ihm gab, blieben für immer erhalten.

Man nannte ihn:
Eara, Zerstörer von Leidenschaft.
Harun, Krieger des Schattens
K’zar, Fürst der Finsternis
Und man nannte ihn Akesch, Herrscher der zweigeteilten Ordnung.

Die Geschichten über ihn versetzten Generationen von Kindern in Angst und Schrecken, und für Lange Zeit war das alles was er sein sollte, ein Schreckgespenst für Kinder.
Doch nun gab es einen, unter dem Volk der Hak’zar der sich die alten Geschichten zu Herzen nahm und ebenso nach der Macht der Angst strebte.
Und so zog auch dieser Bursche aus, um anderen das fürchten zu lehren, aber sein Name ist gut bekannt, oder vielmehr wird es bald sein, denn das er ausgezogen ist, ist noch gar nicht solange her. Wenn man es genau nimmt ist er gerade eben erst losgezogen. Also hört gut zu und lauscht der Geschichte von Harim Tergan, einem Jungen der auszog anderen das fürchten zu lehren.


Eine lange und staubige Straße.
Lange Staubfahnen am Horizont, doch hier ist kein Lufthauch in Spürweite.
Eine einsame Gestalt schleppt sich langsam, aber entschlossen vorwärts.

Die Gestalt hat stabile aber abgerissene Kleidung an, und scheint auch sonst nicht sonderlich gut in Form zu sein.

In der Tat, sieht sie aus als hätte sie schon eine lange Reise hinter sich. Folgt man aber ihrer Spur so sieht man, dass sie nur wenige Meilen entfernt an einem verwaisten Bauernhof endet, wo man noch die ausglühende Asche eines Grabfeuers entdecken kann.

Die Gestalt scheint schwer beladen zu sein, jedenfalls krümmt sie sich stark unter einer Schweren Last die auf ihren Schultern zu liegen scheint. Doch so genau man sie sich ansieht so kann man doch von dieser Last nichts erkennen, denn auf ihrem Rücken erkennt man nur einen fadenscheinigen Rucksack, der bestenfalls eine Decke und etwas Wasser enthält.

Die Gestalt scheint sehr entschlossen zu sein von diesem Bauernhof fort zukommen, denn sie schleppt sich in der glühenden Mittagshitze vorwärts.

Nach einer Weile sieht die Gestalt so aus als würde sie zusammenbrechen, doch sie beißt die Zähne zusammen und schleppt sich weiter vorwärts.
Langsam wird es kühler als der Abend hereinbricht und die Sonne langsam untergeht, doch die Gestalt scheint es nicht zu kümmern. Sie macht keinerlei Anstalten anzuhalten oder einen Platz für ein Lager zu suchen. Ja, sie sieht in der Tat so aus, als habe sie vor die ganze Nacht zu laufen.

Doch allmählich wird die Gestalt langsamer und bleibt schließlich stolpernd neben den eingefallenen und halb von Sand und Staub bedeckten Ruinen einer alten Handelsstation stehen.

„Dies ist die erste Station…“ Die Stimme der Gestalt ist jung, männlich und von einer rauen Qualität, die von schwerer Arbeit und tiefen Gedanken zeugt.

Der Junge nimmt seinen Rucksack ab und begibt sich in die Ruine. Er nimmt seine Decke aus seinem Rucksack und macht sich ein Lager. Danach sucht er sich etwas Holz und entfacht ein Feuer.

Das Licht des vollen Mondes fällt auf die alte Ruine und das kleine Lagerfeuer hilft kaum die Eiseskälte der Nacht zu vertreiben.

„Nun, jetzt ist es, denke ich, zeit…“ Als der volle Mond über der Ruine steht und das Licht der Sterne die leere Ebene erleuchtet, steht der junge auf und räuspert sich.

„Ich rufe die Geister der Nacht, “ am Anfang ist seine Stimme noch leise und zögerlich doch schnell gewinnt sie an Kraft, „Ich rufe die Geister des Mondes“, langsam kommt ein starker Wind auf und der Sand aus der Ruine wird dem Jungen ins Gesicht geblasen, doch ohne zu zögern, und mit erhöhter Lautstärke macht er weiter. „Ich rufe die Mächte der Nacht,“ ein Sturm kommt auf und droht den Jungen umzuwerfen. „Ich rufe die Angst im Herzen aller Dinge“, bei diesen Worten verstummt der Sturm und eine seltsame Stille legt sich über die Ruine, der Sand in der Luft verdunkelt das Licht des Mondes und der Sterne und das Feuer ist schon längst verloschen.
Eine große Dunkelheit steigt über der Ruine auf, und das einzige Licht geht von dem alten, versandeten Brunnen des Handelspostens aus.

„Hmm …“, der Junge, offensichtlich nicht von der Wirkung seiner Worte überrascht, nähert sich vorsichtig dem alten Brunnen.

Als der Junge in die Tiefe des Brunnens blickt sieht er nur die Finsternis.
Dann, der Sandschleier reißt kurz auf, sieht er im silbernen Licht des Mondes, ein paar Löcher, die man als Stufen interpretieren könnte, die in die Innenseite des alten Brunnens gehauen wurden.
Dann, als ob es nur ihm als Hinweis gedient hätte, wird es wieder Dunkel als der Staubschleier wieder den Mond verdeckt.

Der Junge zögert nicht, er steigt nur mit der Decke und einer halbvollen Wasserflasche in seinem Rucksack den alten Brunnen hinunter.

Kurze Zeit nachdem der Junge verschwunden ist, reißt der Staubschleier auf und das bleiche Licht des Mondes legt sich über die Ruine. Doch von dem Brunnen ist nur noch die verfallene Mauer zu sehen, denn der Rest ist schon seit Jahren vom Sand verschüttet.


Der Junge schreitet durch einen langen, dunklen Tunnel. Er sieht kaum etwas, doch ist sein Schritt ruhig und gelassen, denn er hat sein Entscheidung getroffen.
Dann, man kann kaum sagen wie lange es dauert, kommen Geräusche auf.
Zuerst leises Flüstern, und Rascheln, wie von Roben über Stein.
Dann, lauter, Schritte auf Marmorboden und Schreie die von Mauern widerhallen.

Der Tunnel erhellt sich und beleuchtet eine Szene wie aus einem Schlachtenalptraum.
Doch der Junge zögert nicht, in der Tat, er beschleunigt seinen Schritt, als hätte er nur darauf gewartet in dieses Chaos und das Blut hineingeführt zu werden.

Er tritt aus dem Tunnel in eine blutbeschmierte und von Fackeln und Feuern erleuchtete Halle.
Wo vor kurzem noch Gelehrte Einkehr hielten und Stille herrschte, herrschen nun Blut, Tod und Gewalt.

Der Junge schreitet, wie im Traum, von sicherer Hand geleitet, durch die Schlacht die in den Gängen dieser Universität tobt.
Um ihn herum kämpfen blutbeschmierte Soldaten gegen die letzten Widerständler unter den Studenten.
Die meisten sind bereits gefallen und ihre Leichen schmücken den Boden aller Gänge.

Doch der Junge hält nicht inne, und es scheint als wüsste er wohin ihn seine Schritte führen, denn er erscheint erwartungsvoller je weiter ihn sein Weg in das Chaos und den Tod der Schlacht führt.

Keiner scheint ihn zu beachten, doch wird er bemerkt. Soldaten salutieren und Studenten fliehen in Panik vor ihm.
Dann, am Ende seines Weges, kommt er ihn der großen Aula der Universität an.

Man erwartete ihn bereits, „Lord“, einer der blutbeschmiertesten Soldaten kommt zu ihm,
„Die Gefangen wurden gemäß eurem Befehl an dieser Wand dort aufgereiht. Was soll nun mit ihnen geschehen?“ Er zeigt auf die Nordwand der Halle, wo mehr als hundert verletzte und blutbeschmierte Gestalten auf ihr urteil warten. Unter ihnen Studenten, Diener und Professoren.

„Was wird ihnen vorgeworfen?“ Die Stimme des Jungen erscheint seltsam tief und Rau, als wäre es nicht die seine, oder vielmehr als würden zwei Stimmen im Gleichklang reden.

„Rebellion gegen eure Vorherrschaft und versuchte Verschwörung. Außerdem Widerstand gegen die Verhaftungen der Verantwortlichen und außerdem allgemeine Aufwiegelei.“

„Allgemeine Aufwiegelei?“
„Ja Lord, sie haben es gewagt euren Anspruch auf Herschafft zu kritisieren.“
„Na ja, das können wir ihnen ja wohl kaum durchgehen lassen. Aber ich fühle mich heute gnädig, richtet jeden von ihnen, der keine nützlichen Fähigkeiten hat hin und stellt ihre Köpfe auf dem Platz vor der Universität aus. Als Warnung für jeden der denkt, er könnte nicht nützlich sein und dann auch noch wagen sich mir zu widersetzen.“
„Äh… mein Lord, wer von ihnen wird als ‚nützlich’ betrachtet?“
Der Junge sieht überrascht aus, dass ihm eine solche Frage gestellt wird, aber denkt dann kurz nach und antwortet dann:
„Diener sind nützlich, Ingenieure sind nützlich, ….“ Er denkt kurz nach, „ Der Rest ist unwichtig, überlegt euch einfach wer noch nützlich sein könnte.“

Dann, während die Soldaten seinen Befehl ausführen, richten sich die Schritte des Jungen auf den Ausgang der Halle.

Während er langsam die Halle durchquert fangen die Geräusche der Schlacht an leiser zu werden. Auch das Licht verblasst.

Als es schließlich dunkel geworden ist, schreitet der Junge wieder den Tunnel entlang.

Die Ruine glitzert im Licht des Mondes, doch dann, wie von Geisterhand, erheben sich die Staubschleier im Brunnen in die Luft, und aus der Dunkelheit schreitet der Junge.

Hinter ihm legen sich die Staubschleier wieder auf den Brunnen und der Junge, erschöpft von langer Wanderung nimmt seine Decke heraus und legt sich, neben dem, schon vor langer zeit verloschenen Feuer, zu Schlafe.


Die Sonne geht auf, und die Temperatur steigt schnell.
Der Junge, noch erschöpft vom langen Marsch des Vortages, schleppt sich in den Schatten der Ruine und schläft dort weiter.
Später am Tag, es wird bereits wieder kühler, nimmt der Junge einen letzten Schluck aus seiner Wasserflasche.
„Hm… Ich sollte mir wohl dringend etwas Wasser suchen, und etwas zu Essen würde auch nicht schaden.“
So bricht er dann also auf, um sich mit Wasser und Proviant zu versorgen, und natürlich um sich auf den Weg zur zweiten Station seines Pfades zu machen.

Während die Sonne langsam über einer leeren, staubigen Ebene untergeht und aus dem Norden ein gewaltiges Wolkenmassiv auftaucht, führen die Schritte des Jungen weiter, die alte, staubige, fast unter dem Sand der vordringenden Wüste, begrabenen Straße.

Seine Schritte sind fest und ohne Zögern, als würde er einen Pfad entlang schreiten den er schon hunderte Male ging.
Auch scheint auf seinen Schultern keine Last mehr zu liegen, er geht aufrecht, mit erhobenem Haupt.

Langsam wird es dunkler und die Wolken die langsam den Horizont überziehen sind schwer und dunkel. Auch hört man immer wieder Donner und sieht Blitze, wie weit entfernter Schlachtenlärm.
Das Donner und Tosen des Gewitters hat den Jungen erreicht und ein Sturmwind bläst ihm den Staub ins Gesicht, dann, wie auf ein Geheimes Signal, beginnt der Sturm seine Fracht abzuladen.
Und er tut dies mit lautem Donner und Getöse, als würden die Tore des Himmels selbst einstürzen.
Ein gewaltiger Regen fällt und ertränkt den staubigen Wüstenboden.
Der Junge bleibt nicht stehen, er schreitet langsamen Schrittes, als könnte nichts in der Welt ihn aufhalten den, inzwischen, fast komplett von Schlamm und Wasser bedeckten Weg endlang.

Nur einmal bleibt er kurz stehen, als er an einen frisch entstandenen Teich kommt und seine Wasserflasche auffüllt.
Doch diese Pause ist nur von kurzer Dauer, denn schon bald geht er, rastlos und wie von einer kalten Energie angetrieben, weiter.
Das Gewitter tost um ihn herum, und der Wind und der Regen und die Blitze lassen die Erde erbeben und den Himmel zerbrechen.
Doch sein Schritt ist unerschüttert, und seine Miene von heiterer Gelassenheit.
Dann, als hätte der Himmel sich endlich ausgetobt, verstummt der Sturm plötzlich.
Der Regen wird langsamer und wird schließlich zu einem tröpfeln, der Wind wird leise und verstummt.
Die Blitze und das Donner sind nicht mehr zu bemerken.

Dann, als hätte die Nacht nur darauf gewartet, schält sich aus der Dunkelheit, ein großer, toter Baum.
Schon vor Jahrhunderten von einem Blitz gespalten und gestorben, sieht dieser Baum wie der Inbegriff aller toten Bäume aus.
Sein knorriger, verschlungener Stamm und seine geschwärzten Äste, die wie Arme Hilfe suchend gen Himmel reichen.

Der Junge nähert sich, ohne zu zögern dem Baum und nimmt unter seinen verwachsenen Ästen platz.
Der Boden unter dem Baum ist erstaunlich trocken, als wäre hier kaum Regen gefallen, oder vielleicht so, als ob der Baum hier erst seit kurzer Zeit steht.

Dann, nach kurzem Warten, stimmt der Junge schließlich seinen Ruf an.

„Ihr Geister des Todes, Ihr Geister des Lebens, ich rufe euch!“
Seine Stimme, zu Anfang noch leise, nimmt schnell an Lautstärke zu.
Er steht aus seiner knienden Position auf und breitet seine Arme zu einer Invokation aus.

„Ihr Geister des Sturmes, Ihr Geister des Windes, Ich rufe euch!“
Bei diesen Worten frischt der Wind noch einmal auf, und heult um den Stamm des alten Baumes. Blitze zucken am Horizont auf und das dumpfe Grollen des Donners, klingt in den Ohren.

„Ihr Geister der Grausamkeit, ihr Geister der Blutdurst, Ich beschwöre auch!“

Bei diesen Worten, geschrieen in das heulen des Windes, zuckt ein gewaltiger Blitz in den Baum und der Baum wird von oben bis unten gespalten.

Der Donner, ist so laut, das der Klang ausreicht um den Jungen zu Boden zu werfen.

Der Junge, unberührt von dem Geschehen, rappelt sich auf und bewegt sich auf den Riss im Baum zu.

Aus dem Riss im Baum klingt ein hohlen Scheppern und Heulen, wie aus den Tiefen der Hölle.
Der Junge zögert nur kurz, dann klettert er in den Spalt.

Der Sturm vergeht und der Mond bescheint den, vor langer Zeit schon abgebrannten Stumpf, eines alten Baumes.

Ein langer, von dunklen Feuern und Rauch gefüllter Tunnel.
Der Junge schreitet ihn entlang, aus der ferne klingt ein Heulen und Schreien das einem das Blut in den Adern gefrieren mag, doch der Junge schreitet ohne zu Zögern weiter.

Dann, nach einer Zeitspanne die unermesslich kurz oder auch lang gewesen sein mag, führen ihn seine Schritte in eine große Höhle.

Gefüllt mit Feuer und Asche ist diese Höhle wohl der Inbegriff der Angst, doch seine Schritte sind fest und seine Miene entschlossen.

Ein schmaler Pfad führt zwischen Seen aus Lava und Schwefel entlang, der Gestank und die Hitze nehmen den Atem, doch er geht diesen Weg unerschütterlich, als hätte er seine Wahl schon vor langer Zeit getroffen.

Dann, am Ende des Pfades, kommt der Junge an das Ende der Höhle. Von dort aus führen zwei Wege aus weiter.
Der linke Pfad, ein kühlender Wind und der Geruch von frischem Wasser steigen von diesem auf.
Der rechte Pfad, ein heißer Wind erfüllt mit Asche und Schwefel reißt ihm den Atem aus dem Leib.

Der Junge zögert nicht, seine Schritte führen ihn den rechten Pfad hinab, tiefer in das Feuer und die Dunkelheit.

Nach einer Weile, der Pfad führt noch immer stetig in die Dunkelheit, werden seine Schritte langsam unstet.
Dann, als wäre auf diesen Moment der Schwäche gewartet worden, erhellt ein dunkel rotes Licht den Tunnel, und man erkennt das es gar kein Tunnel ist den der Weg entlang führt, sondern nur ein schmaler Pfad, der über einen endlosen Abgrund führt, in dessen Tiefen Feuer und Asche kochen.

Der Junge schüttelt den Kopf, wie um eine ungebetene Stimme oder Gedanken zu vertreiben und bewegt sich dann schnell weiter, wieder erfüllt mit Entschlossenheit und Kraft.

Dieser gefährlich Pfad wird stetig schmaler, und schließlich kommt der Junge an eine Stelle wo er über einen schmalen Grad balancieren muss, doch der aufkommende stürmische, von Asche gefüllte Wind nehmen ihm die Sicht, den Atem und das Gleichgewicht.

Dann, als der Junge über den Abgrund balanciert, kommt es wie es kommen muss, er verliert das Gleichgewicht und stürzt in den Abgrund.

Doch, im letzten Augenblick schafft er es, seine Hand in den Rasiermesserscharfen Grad zu krallen.
Während das Blut seine Hand hinunterläuft und seinen Griff rutschig macht schreit der Junge seine Wut hinaus.

„DU GLAUBST WOHL DU KÖNNTEST MICH SO LEICHT UM MEINEN PREIS BETRÜGEN? ABER SO LEICHT GEBE ICH NICHT AUF!“

Bei diesen Worten krallt sich seine verletzte Hand noch tiefer in das Gestein und seine andere Hand ergreift den Grad ebenfalls, dann, unter Aufbietung all seiner Wut und Verzweiflung, hangelt er sich weiter, während Blut seine aufgeschnittenen Hände hinab läuft und seinen Griff rutschig macht. Seine Schreie der Wut übertönen sogar den tosenden Wind.
Seine Entschlossenheit lässt nicht nach und er schafft es schließlich sich bis zum Ende des Grates zu hangeln.
Dort, mit seinen bis auf die Knochen zerschnittenen Händen, zieht er sich auf den Pfad zurück und lieg dort in der schwarzen Asche.
Seine Hände schwarz bis auf die Schnitte, aus denen hellrotes Blut in stetem Strom im Staub verrinnt.

Der Junge liegt in schwarzer Asche, verblutend, kraftlos, nur seine Entschlossenheit hält ihn noch am Leben.

Dann, als sein Blut verronnen ist und seine Seele beginnt ihre Schale zu verlassen, passiert es.
Als ob er eine Prüfung bestanden hat, fängt die schwarze, von seinem Blut getränkte Asche an, in seinen Körper zu strömen.
Seine Seele, zurückgerissen, in den kalten Leib, windet sich unter Schmerzen, der Körper, gefüllt mit unheiliger Energie beginnt zu Zucken, und sich zu winden.
Die Wunden verschwinden, verschweißt von schwarzer Asche und kaltem Blut.

Der Junge, nun wieder von Energie und kalter Entschlossenheit erfüllt, eilt den Pfad entlang.

Eine, kalte, nasse Ebene, sturmzerzaust und Windgebeutelt.
Ein baumstumpf, umgeben von einem frischen See.
Dann, ein Donner und Blitzen, der Baumstumpf reißt auf und ein heißer von Asche gefüllter Wind fegt über den See.
Aus dem Riss tritt der Junge hervor.

Doch hat er nicht mehr viel Ähnlichkeit mit dem Jungen, der er einst war.


Seine Gestalt und seine Kleidung, verändert durch seine Reise durch die Schatten.

Seine Haut, bleich und grau, unterlegt von schwarzen Adern, durch die dunkles Blut fließt.
Sein Gesicht, grau und starr, bar jeder Leidenschaft. Seine Augen, so dunkel wie die Feuer die er durchquert hat.

Seine Hände, tiefschwarz, nur zwei Zeichnungen, eine auf jeder Handfläche, so rot wie Blut, als einzige Farbe auf seinem Körper.

Seine Kleidung, Schwarz und Rot, Aschgrau und dunkelviolett, wie aus den tiefen des Schattens selbst, lässt sie ihn wie einen Teil der Schatten erscheinen.

An seiner Seite, zwei Dolche, Schwarzrot, wie das Blut das in seinen Adern fließt und das Feuer das in seinen Augen brennt.

Das helle Licht des Mondes fällt auf seine Gestalt und doch ist es schwer ihn auszumachen, als würde er in der Dunkelheit verschwinden.

Nachdem er aus dem Spalt getreten ist, sieht er sich kurz um und marschiert dann, schnellen Schrittes, von dem, nun wieder ohne Riss erscheinenden, Baumstumpf fort.
Sein Weg führt von der Ebene fort und in die Richtung der Berge.


Nacht um Nacht und Tag um Tag marschiert er, nur in der heißesten und grellsten Hitze des Tages macht er Rast, erweckt aber nicht den Eindruck als müsste er Rasten, vielmehr erscheint es, als ob des Grelle Licht des Tages und die Hitze nur eine kleine Unannehmlichkeit für ihn darstellen würden.

Bald, nur wenige Tage später sind die Berge erreicht.

Das Knochenzahngebirge ist eines der höchsten Gebirge der Welt und seine höchsten Gipfel reichen bis zu den Sternen. Nur wenige wagten es je seine steilsten Hänge zu erklettern, und noch weniger kamen zurück.

Doch das spielt keine Rolle, denn der Pfad des Jungen führt ihn nicht auf die höchsten Höhen.
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02.01.2008 22:47
#2 Der Letzte Traum antworten
Nein, in die tiefsten Tiefen führt ihn sein Weg. So tief, das selbst das licht der Sonne, niemals seinen Weg hierher findet.
Man sieht nichts, und doch findet er seinen Weg so sicher als ob er ihn schon tausendmal gegangen wäre.

Es wird immer kälter und die Dunkelheit ist absolut.
Doch nicht weit von ihm entfernt hört man eine Art leises Zischen, als ob Luft durch schmale Öffnungen gleitet,
Dort hin führen ihn seine Schritte, und dort findet er was er sucht. Das Herz der Dunkelheit.
Ein Stein, der in der absoluten Dunkelheit des Berges wie ein loch im Raum erschient.
Ist die Dunkelheit absolut so ist die Dunkelheit des Steines unendlich.

Sein Ziel erreicht, zögert er nicht.
Er schreitet die Stufen zum Stein hinauf, kalte Luft weht in seinen Rücken, als würde die Luft immer kälter je näher er dem Stein kommt und der Stein selbst die Luft aus der Dunkelheit saugt.

Als er den Stein erreicht scheint ihn ein Schauern zu durchfahren, als wäre die Kälte und die Dunkelheit selbst für ihn zu viel. Doch er zögert nicht länger.
Er nimmt den Stein auf.
Als seine Hände den Stein berühren zischen sie auf, als würden sie verbrannt und doch ist es die Kälte die sie verletzt.

Kein Schmerzensschrei dringt durch seine Lippen, als er den Stein aufnimmt und in seine Tiefen blickt.

Was er dort erblickt wissen wir nicht, doch eine kleine Ewigkeit später, in einem Zeitraum der keine Bedeutung hier unten hat, nimmt er den Stein wieder herunter und stellt ihn auf Podest.

Nun scheint er selbst so dunkel zu sein wie der Stein.

Seine Schritte sind hart und schnell. Keine Atemwolken erscheinen mehr vor seinem Gesicht.

Als er wieder an das Tageslicht kommt zögert er doch nicht.

Seine Gestalt hatte sich wieder gewandelt.
Tiefer als das Schwarz der Nacht war nun seine Kleidung.
Seine Hände steckten in Handschuhen aus demselben Material, auf ihnen, in der Handfläche, die Roten Zeichen die auch auf seinen Händen sind.
Seine Augen sind jetzt so schwarz wie der Stein es war, sind wie Löcher im Raum, die alles Licht und Wärme aufsaugen.

Seine Haut ist grau und kalt, unter ihr fließen schwarze Adern mit dunklem, kaltem Blut.

Seine Schritte führen ihn aus den Bergen fort. Zur letzten Station.
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11.01.2008 17:08
#3 Der Letzte Traum antworten
Sein Weg führt ihn über die Berge hinweg, in die weite Ebene die dahinter liegt, hier ist die Wüste noch nicht angekommen, hat die Hitze und der beißende Wind noch nicht Einzug gehalten.

Er folgt einem lang vergessenen Weg, die alten Steine, verdeckt von Gras und Gestrüpp sind kaum zu erkennen, doch er kennt seinen Weg. Weder Tag noch Nacht halten ihn auf, die Sonne brennt auf ihn hinunter und der Regen durchnässt ihn, doch seine Schritte werden nicht langsamer. Unaufhaltsam nähert er sich seinem Ziel.


Seine Dunkle Gestalt bleibt nicht unbemerkt.
Seine Schritte werden aus dem Schatten beobachtet, doch es kümmert ihn nicht.
Er ist nicht mehr die Peson die er einst war, und alles was Menschlich an ihm war ist vergangen, eingetauscht gegen Macht und Kälte und Dunkelheit.

Und so wird er nicht aufgehalten, denn die Wesen der Ebene spüren was er ist, und wagen nicht ihn aufzuhalten.

Während die Zeit vergeht und ihn seine Schritte immer weiter in die Ebene führen, ist in ihm doch kein Zögern zu erkennen. Es ist als ob er keine Reue fühlt, keine Angst, keine Unsicherheit.

Dann, nach langem Marsch, erscheint am Horizont eine Stadt, oder vielmehr die Ruinen einer Stadt.
Diese Stadt, gebaut am Anfang der Zeit, stand einst auf dem Gipfel eines Berges, des höchsten der Welt, und schaute von dort herab auf alle Welten. Doch diese Zeit ist schon lange vorbei und fast vergessen.
Der Berg ist abgetragen und das Gebirge weitergewandert, nur die Stadt blieb.
Bedeckt von Unkraut und Bäumen, Steinen und Felsen, ist sie das letzte Zeugnis einer Zeit in der die Götter noch auf Erden wandelten.

Tief in die Ruinen führen ihn seine Schritte, und wieder ist kein Zögern bei ihm zu erkennen. Sein Weg erscheint ihm so offen und klar als wäre er ihm schon vor seiner Geburt vorhergesagt worden.
Immer tiefer und tiefer begibt er sich in die Ruinen, dann, an der höchsten Stelle der Ruinen, dort wo einst der Thron eines Gottes stand und sein Tempel den Himmel selbst überragte, ist sein Weg zu Ende.

Der Junge, der er einst war, ist nicht mehr, an seiner Stelle ist nun ein Wesen der Dunkelheit und der Kälte getreten und keine Reue ist in ihm.

Er schreitet erhobenen Hauptes auf den Tempel zu, nichts regt sich mehr in der Luft.
Die Sonne wird blasser und eine große Kälte und Dunkelheit kommen auf.

Die Sonne verdunkelt sich und die blassen Sterne erschienen am Himmel.
Ein großer Sturm kommt auf, und überall ertönt der Lärm der Schlacht.

Die Stadt brennt und ist erfüllt von den Geistern längst vergessener Toter und der Junge zögert doch nicht.

Der Thron, zerschmettert und doch intakt, so wie die Stadt, brennend, intakt und als Ruine, dasteht.

Der Junge geht auf den Thron zu, und an selber Stele erscheint das Bild eines anderen Mannes, ähnlich gekleidet, und auch von ähnlicher Gestalt doch von einem inneren Feuer erfüllt das der Junge niemals hatte.

Beide, ein Bild überlagert das andere, und auch ihre Stimmen ertönen gleichzeitig.

„So wahr ich hier stehe, die Götter sind gefallen und ich nehme ihren Thron.
So werde ich an ihrer statt regieren und sie werden vergessen werden.
Denn ich bin die Dunkelheit und das Chaos. Ich bin die Kälte und das Verderben.
Ich bin der Krieg und ich bin der Tod. Ich bin der Schatten und die Finsternis.
Ich bin Eara, Harun, K’zar.
Und ich bin Akesch, der Herrscher der zweigeteilten Ordnung, denn ich regiere über Leben und Tod. Über licht und Dunkelheit. Ich bin Absolut und unendlich, und ich werde herrschen bis die Sterne selbst verlöschen und die Dunkelheit des Endes alles verschlingt.“

Und dann, leiser, die Stimme des Jungen, tiefer, kälter, leidenschaftslos:“Ich bin die Rache und ich bin das Ende. Der Pakt wurde erfüllt und der Preis wurde bezahlt. Und so nehme ich diesen Thron, und mit ihm die zweigeteilte Ordnung.“
Freyr Offline

Letztgültige Instanz


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11.01.2008 17:09
#4 RE: Der Letzte Traum antworten

So, das war das Ende dieser Geschichte, hoffe sie hat gefallen. kommentare und Lob erwünscht. Wenn Fragen und Anmerkungen, enfach posten.

---------

Anything I believe in I can do.
And I believe I can do Anything.

Ich habe das Geheimnis der Unsterblichkeit entdeckt.
...Nicht-Sterben...

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